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Bundesrepublik Deutschland

Eine Chronologie

Tödliche Brandanschläge auf türkische Menschen in Deutschland

1990 — 1999

Kontext

Nach der Wiedervereinigung erlebte Deutschland eine Welle rassistischer Gewalt gegen die türkische Gemeinschaft — in ihren Wohnungen, an ihren Arbeitsstätten, in ihren Schulen.

Die folgenden drei Brandanschläge gehören zu den tödlichsten dokumentierten Anschlägen dieser Dekade, die sich gezielt gegen türkische Bewohner richteten.

1992

Mölln

Schleswig-Holstein

Brandanschlag auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser

Zwei Neonazis verübten in der Mühlenstraße und der Ratzeburger Straße Brandanschläge auf zwei von den türkischen Familien Arslan und Yılmaz bewohnte Häuser. Der anonyme Notruf an die Feuerwehr endete mit den Worten „Heil Hitler“.

3
Todesopfer
9
Verletzte
2
Täter identifiziert
2
Verurteilt

Im Gedenken

  • Bahide Arslan, 51
  • Yeliz Arslan, 10
  • Ayşe Yılmaz, 14

Urteile

Michael Peters — lebenslange Freiheitsstrafe.

Lars Christiansen — 9 Jahre Jugendstrafe.

1993

Solingen

Nordrhein-Westfalen

Brandanschlag auf das Wohnhaus der Familie Genç

Vier junge Männer aus der örtlichen rechtsextremen Skinhead-Szene legten in der Unteren Wernerstraße Feuer am Wohnhaus der Familie Genç. Drei Mädchen und zwei Frauen starben; vierzehn weitere Familienmitglieder wurden zum Teil schwer verletzt.

5
Todesopfer
14
Verletzte
4
Täter identifiziert
4
Verurteilt

Im Gedenken

  • Gürsün İnce, 27
  • Hatice Genç, 18
  • Gülüstan Öztürk, 12
  • Hülya Genç, 9
  • Saime Genç, 4

Urteile

Markus Gartmann — 15 Jahre Haft (Erwachsenenstrafrecht).

Kohnen, Reher, Buchholz — je 10 Jahre (Jugendstrafrecht, Höchstmaß).

1996

Karlsruhe

Baden-Württemberg

Brandanschlag in der Markgrafenstraße 41

In den frühen Morgenstunden legten unbekannte Täter mit Brandbeschleuniger im Treppenhaus eines überwiegend von türkischen Familien bewohnten Hinterhauses Feuer. Drei türkischstämmige Bewohner starben. Trotz 30-köpfiger Sonderkommission, rund 250 verfolgter Spuren und 10.000 DM Belohnung blieb die Tat ungeklärt.

3
Todesopfer
—
Verletzte
0
Täter identifiziert
0
Verurteilt

Im Gedenken

  • Drei Bewohner türkischer Herkunft
  • darunter die Eltern von Kenan Yılmaz

Stand der Ermittlungen

Bis heute keine Festnahme. Verfahren ungeklärt.

Mutmaßlich rassistischer Hintergrund — nie bewiesen, nie ausgeschlossen.

Im weiteren Verlauf der Dekade

Weitere Brandanschläge mit mutmaßlich rassistischem Hintergrund

DatumWas geschahOpferbilanzStand der Aufklärung
SaarlouisBrandsatz auf Asylunterkunft 1 Toter (Samuel Yeboah, Ghana), 2 Verletzte Erst 2023 Tatverdächtiger verurteilt
HünxeBrandanschlag auf Asylbewerberheim 2 libanesische Mädchen schwer verletzt Täter verurteilt — Jugendstrafen
StuttgartBrand in von Ausländern bewohntem Haus 7 Tote Rechtsradikaler Hintergrund vermutet — ungeklärt
Lübeck (Hafenstraße)Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkunft 10 Tote (Afrika, Libanon) Bis heute ungeklärt; Verdächtiger freigesprochen

Quellen: Gerichtsakten · BNN · taz · Konrad-Adenauer-Stiftung · Tagesspiegel · Wikipedia · GHDI

Dokumentarfilm

Markgrafenstr. 41 — Das Feuer, das noch brennt

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